8. Juli 2014

Darf ich bitte wieder ins Büro gehen?

Ich schimpfe gerne über mein Büro, macht ja jeder. Also mal mehr und mal weniger. Und ich stehe gar nicht gerne morgens dafür auf und freue mich über jeden Feierabend. Genüsslich rege ich mich über diesen Kindergarten der großen Leute auf und wünsche ihn zum Teufel. Mal mehr und mal weniger.

Heute, ganz ohne Büro, saß eine Viertelstunde lang ein brüllendes Kleinkind auf meinem Arm und kreischte in mein Ohr, weil ich mich erdreistet hatte, zwei Stücke Kohlrabi, ein an und für sich von eben diesem Kleinkind geliebtes Gemüse, neben ihren Reis zu legen. Dass dies der Grund für das Gekreische und Gezeter war, erfuhr ich erst, als es mir nach 14 Minuten gelang, die Hand aus ihrem Mund zu entfernen, die sie dort zum Kreischen und Zetern reingesteckt hatte. Wohl auch, um jegliche Kommunikation im Kern zu ersticken. Eine Minute nach der Viertelstunde saß sie zufrieden auf meinem Schoß und futterte in Rekordgeschwindigkeit Reis. Nackten Reis. Und zum Nachtisch Naturjoghurt.

Mag ja sein, dass sie einfach gerne farbenrein essen möchte, aber kann ich bitte trotzdem wieder ins Büro gehen?

7. Juli 2014

WM Wissen

Durch eine unabhängige Studie habe ich herausgefunden, dass es in meiner WM-Tipprunde nicht sehr zielführend ist, auf die Underdogs zu tippen. Oder die Hübscheren. Oder die mit den lustigeren Frisuren. Oder die mit den leckeren Brüsseler Waffeln.

Und jetzt bin ich etwas ratlos, wie ich die Halbfinalspiele tippen soll.

25. Brief an Alma

Liebe Alma,

es ist jetzt schon eine ganze Weile her, dass ich Dir geschrieben habe, und es ist ganz schön viel passiert!

Dein zweites Lebensjahr begann damit, dass das Kinderbüro pausierte und wir Dich bis Ende März zuhause betreuten. Das war im Nachhinein betrachtet aber vielleicht gar nicht so schlecht, denn so hattest Du uns nochmal ganz für Dich alleine, bevor Du ein Geschwisterkind wurdest. Abwechselnd blieben Papa und ich vor- und nachmittags mit Dir zuhause und so musste ich das Basteln übernehmen. Das hatte ich ja eigentlich an das Kinderbüro delegiert, aber nun mussten wir ran. Und wurden ziemlich schnell ziemlich gut im Fensterblumen und Klopapierschmetterlinge basteln, Steckblumen stecken, malen und puzzeln sowieso. Meine Lieblingsbeschäftigungen sind das immer noch nicht und ich bin immer noch ziemlich inspirationslos, was neue Bastelideen angeht, aber wir kamen immerhin so gut über die Runden, dass Du nach Wiedereröffnung des Kinderbüros die AGs "Kneten - ein Grundkurs" und "Kneten für Fortgeschrittene" anbieten konntest.


Als das Kinderbüro im April wieder losging, stellten wir schnell fest, dass Du die Zeit gut genutzt hast. Du hast unglaublich an Selbstbewusstsein zugelegt und spielst jetzt doch gerne mit den anderen Kinder. Gut, meistens kommandierst Du sie herum, aber das ist in Ordnung. Du weißt, Dich zu behaupten, auch wenn die anderen größer, bulliger und schwerer sind. Und auf den Tonfall ist jeder Drillseargeant neidisch, der lässt nämlich keinen Widerspruch zu!

Da gerade Ferien sind, müssen wir an sieben Tagen in der Woche ein kindgerechtes Mittagessen auf den Tisch zaubern. Das haben wir bisher aber gut hinbekommen, denn Du bist zum Glück immer noch - bis auf Tomaten - ein Gemüse- und Obstfan und lässt Dich gerne damit abfüllen. Oder mit Würstchen, da bist Du flexibel. Momentan geht allerdings nichts über Eis und Laugenbrezeln.


Apropos Eis: wir wiesen die kulturelle Oma irgendwann darauf hin, dass wir es nicht so gut fänden, dass Du jeden Eisladen und jedes Café in der Innenstadt kennst, in dem Eis serviert wird. Ein Schuldbewusstsein hat sich bis heute nicht eingestellt, aber immerhin konnten wir sie davon überzeugen, dass Du inzwischen zu groß bist, um Flanieren und Schaufensterbummel toll zu finden. Du willst auf den Spielplatz, Herumtollen und Spielen. Und am liebsten in den Tierpark, ein Wunsch, den wir Dir nur zu gerne erfüllen. Und Eis gibt es weiterhin, wir sind ja schließlich keine Rabeneltern. Oder uneigennützig.


Praktisch an der Betreuung zuhause war übrigens das Ausschlafen. Es ist zwar nicht so, dass Du länger schläfst als bis sechs oder halb sieben, aber da Du eine richtige kleine Leseratte bist, kann man morgens entweder im großen Bett mit Dir lesend den Tag starten oder Dir im Kinderzimmer das Licht anmachen und selber nochmal eine Runde schlafen. Je nach Tagesform. Jetzt, wo ich nicht arbeiten gehe, kommt mir das natürlich auch wieder zugute. Und der gewissen Eifersucht, die Du doch wegen Deines Bruders an den Tag legst, kann man so auch begegnen: man legt sich einfach in die explizit für das Baby anwesenden Gegenstände hinein zum Lesen. Sowohl im Autositz als auch in der Kinderwagenwanne lässt es sich nämlich hervorragend chillen.


Falls diese Bilder den Eindruck erwecken, dass Du gerne für Dich bist, dann ist das falsch. Meistens beginnt und endet der Tag mit "Komm mit, Mama!" und Du willst mit mir spielen. Und erzählen. Erzählen, erzählen, erzählen. Die Augen-auf-Motorik scheint bei Dir mit der Quasselmotorik untrennbar verbunden, scheint mir. Und dein Wortschatz wächst und wächst jeden Tag, ich komm manchmal gar nicht hinterher damit, die bemerkenswertesten Sprüche aufzuschreiben.

Dass Du immer größer wirst, merkt man natürlich auch an Deiner Fingerfertigkeit. Sehr zur Freude vom Papa bist Du technisch sehr interessiert und freust Dich über jede Handwerkergelegenheit. Selbstredend habt Ihr da auch gemeinsam Dein neues Bett aufgebaut. In dem hast Du am Anfang ganz verloren gewirkt, aber das war schnell vorbei. Jetzt fühlst Du Dich pudelwohl und bist stolz, nicht mehr im Babybett zu liegen.


Das neue Bett ist mit seiner Länge von 1,40 m übrigens groß genug, dass man da auch als Erwachsener halbwegs gut drin liegen kann, wenn gemeinsames Lesen gefordert ist, und man den anderen Elternteil auschlafen lassen will. Und es ist trotzdem so kurz, dass es zusammen mit Deinem alten Gitterbett ins Kinderzimmer passt. Denn seit drei Monaten wohnst Du ja in einer Kinderzimmer-WG.


Auch sonst bist Du immer mehr aufs Helfen aus und willst bei allem mitmachen oder Sachen selber machen. Das kann hilfreich sein, wenn mal was zu holen und zu tragen und zu kramen ist, aber manchmal fehlt mir auch die Geduld, um beim Kuchenbacken die Mehlwolken und Zuckerwürfe zu ertragen, wenn die Energie zu groß ist. Aber an Begeisterung mangelt es Dir nicht, so viel steht fest.


Natürlich war aber auch das ein oder andere Streitchen an der Tagesordnung, besonders als ich hochschwanger war und Du mit Vorliebe Deine Beine beim Wickeln in meinen Bauch gerammt hast. Oder direkt nach dem Milcheinschuss in meinen Busen. Oder weil ich Dich nicht mehr hochheben und tragen konnte. Oder sowieso nah am Wasser gebaut und ungeduldig war. Da floßen einige Tränen, erst bei mir und dann, nach dem Schimpfen, bei Dir. Aber jetzt bin ich wieder entspannter und Du auch und wir bekommen es gut hin, Deinen neuen Platz als großes Kind in unserer Familie zu finden.

Wir waren schon zweimal beim Friseur, denn die Vokuhila-Matte wurde doch anstrengend. Nun bist Du ein richtiges Mädchen mit hübschem Haarschnitt und musst endlich keine Kämpfe gegen Spängchen und Klämmerchen und Haargummis führen. Die sind jetzt, sehr zu Papas Leidwesen, zu Dekoobjekten an Kleidungsstücken degradiert.

Spazieren gehen ist eine Freude mit Dir. Zielstrebig ist ein Wort, das sehr gut zu Dir passt, wenn Du nicht gerade müde und knatschig bist, so kurz vor dem Mittagsschlaf oder der abendlichen Zubettgehzeit. Aber im Normalfall wird sich bewegt und geturnt und gehüpft und gerannt und marschiert, was das Zeug hält. Das kommt unserem eigenen Gusto natürlich sehr entgegen und wir freuen uns schon, jetzt im Sommer wieder mehr zu wandern. Das kann man mit Dir nämlich ganz wunderbar. Das Laufrad, das neulich hier eingezogen ist, scheint Dich zwar noch zu ängstigen, weil es groß und schwer ist, aber wir werden üben und ich halte Dich fest. Versprochen.


Beim Rumwandern kann man sich übrigens auch sehr gut verstecken... 


Worauf ich gut und gerne verzichten könnte, das ist "Machst Du, Mama?" und inzwischen "Was machst Du, Mama?" Ich erkläre Dir gerne die Welt, aber wenn Du beim Kartoffelschälen im 13 Sekundentakt fragst, was ich da mache, dann würde ich gerne ausrasten. Und mit der Hand auf den Tisch hauen und die Kartoffelschalen in hohem Bogen durch die Küche pfeffern. Schimpfen half gar nichts, deswegen habe ich - und Papa auch - damit angefangen, Quatsch zu antworten. Denn wenn ich fünfmal gesagt habe, dass ich Kartoffeln schäle, dann pupse ich danach vielleicht einen Elefanten. Oder stricke Socken. Oder puzzle mir einen Eisenbahn. Dann lachst Du immer verschmitzt und erklärst "Nein, Du schälst Kartoffeln!" Hürde umschifft.

Dienstags ist Müllabfuhrtag, immer ein Highlight. Da war die kinderbürolose Zeit ein Segen und jetzt in den Ferien freuen sich die Jungs auch, wenn wir sie einmal ums Karrée verfolgen. Bald ist wieder Müllsupergautag, wenn alle Tonnenfarben UND die gelben Säcke abgeholt werden. Jedesmal ein Festtag, den wir fast komplett am Fenster oder Straßenrand verbringen.


Und sonst? Du bist eine große Schwester geworden. Nicht von der Eule, auch wenn das jetzt so scheint... Die Eule brachte Onkel Klitzi mit, als er zu Besuch kam, um Deinen kleinen Bruder willkommen zu heißen. Und seitdem kommt es mir so vor, als wäre diese Handpuppe an mir festgewachsen, weil ich 24/7 damit spielen soll. Sie puzzlet gerne, isst am liebsten Müsli und Toastbrot und ist mir schon auch oft eine Hilfe, denn selbst das vehementeste NEIN-Kind wird weich, wenn die Eule sie um etwas bittet. Deine Trotzphase ist zwar gut handlebar, aber ab und an greife ich doch zu fiesen Tricks. Läuft.



Große Schwester. Auf einmal kamst Du mir so unendlich groß vor. Von der Wickelkommode baumelten plötzlich lauter Gliedmaßen, während um Deinen Bruder herum noch viel Platz war. Du schienst einen Meter gewachsen und warst doch auf einmal wieder ganz klein und wolltest kuscheln und auf den Arm. Die große Veränderung hast Du aber gut weggesteckt und bist Dir selber treu geblieben: weitermachen und abwarten, was passiert. Es funktioniert gut bisher.

Am Anfang hast Du ihn einfach so hingenommen, ein Add-on zur Familie, das Dich aber nicht weiter störte. Es dauerte ganz schön lange, bis Du Dich getraut hast, Thorin mal wirklich anzufassen und zu streicheln. Die ersten sechs Wochen oder so hast Du aber immerhin schon liebevoll dafür gesorgt, dass er immer ein Schnuffeltuch parat hatte, und aufgepasst, ob er seinen Schnuller verloren hatte. Inzwischen gibst Du ihm sogar selber ganz vorsichtig den Schnuller, wenn er ihn mal verloren hat, und hälst ihn so lange für ihn fest, bis er richtig angeschnullert hat. Ihr schlaft ganz wunderbar friedlich in einem Zimmer, ohne Euch gegenseitig wach zu halten und dass Du unmittelbar neben uns spielen musst, wenn gestillt wird, ertrage er und ich auch meist mit Gleichmut. Denn normalerweise bist Du dabei ganz lieb, weil Du wahrscheinlich weißt, dass er Dir nichts wegnimmt. Und weil er immer so lustig pupst, wenn Du seine Beinchen hochhebst.

Und in einem Monat kommst Du schon in den Kindergarten! Einfach unglaublich, wie die Zeit vergeht.

Du bist und bleibst meine kleine Erdbeerinchen Erdbeerfee.
In Liebe,
Mama

5. Juli 2014

Bald ist Herbst

Auf meiner Nähmaschine liegt zur Zeit ein Hemdblusenkleid, in großem schwarz-weißen Vichykaromuster. Die Karos haben übrigens genau die Breite der Nahtzugabe, wie praktisch ist das denn. Eigentlich liegt das Kleid übrigens gar nicht auf der Nähmaschine, sondern in der Schublade neben dem Nähkorb. Aber der Schubladenschrank steht schräg gegenüber vom Schrank, in dem die Nähmaschine steht, das ist so ähnlich.

Auf jeden Fall arbeite ich mit Feuereifer am ersten Kleidungsstück für die zweifache Mutter Cati Basmati und ich freue mich schon außerordentlich darauf, mal wieder etwas neues zum Anziehen zu haben. Neun Monate und ein bisschen länger passt ja eher weniger von dem, was man so im Schrank hat, und das wenige, was passt, hat man dann so häufig an, dass man es auch irgendwann nicht mehr so dufte findet. (Das ist übrigens der gleiche Grund, aus dem ich nach Feierabend nicht noch groß Lust auf Unternehmungen mit Kollegen habe. Da möchte ich das gute Verhältnis auch nicht durch übermäßigen Gebrauch abnutzen. )

Als bekennende Langsamnäherin weiß ich ja, dass ich eine realistische Chance habe, im Oktober den letzten Knopf anzunähen. Bis dahin suche ich weiter hektisch die Tüte, in die ich am Anfang der Schwangerschaft alle normalen Jeans gesteckt habe, die plötzlich nicht mehr passten. Die ist nämlich weg.

Und zum ersten Mal in meinem Leben bin ich beinahe nah dran an der Wahrheit wenn ich sage: Ich hab nichts anzuziehen.

4. Juli 2014

#frager040714

"Der Spielball, der aus der Tiefe kam."

Ich sollte ein Buch schreiben. Den Titel hätte ich jetzt.