29. August 2015

Ab jetzt verlieren wir

Man sitzt in der Sonne auf der Terrasses von Castle Greyskull und nascht Obst. Ich habe es sogar kleingeschnitten und verschiedene Sorten auf den Teller geschmissen arrangiert, wie so eine gute Mutter. Fotografiert habe ich es nicht, zum Foodblogger reicht es also noch nicht. Wulfhild sucht die Sachen raus, die sie mag. Herr Gandalf isst wie immer: alles. Bis es weg ist.

Kurz bevor es weg ist, bietet der geek Wulfhild ein Stück Bergpfirsich an. Ob sie mal probieren möge, das sei echt lecker. Ganz Kindergartenkind würgt sie ein überzeugendes EK-EL-HAFT hervor und verzieht das Gesicht.

Der geek gibt nicht auf, wohlwissend, dass Wulfhild ja noch nie einen Bergpfirsich gegessen hat. Anbieten, ablehnen, anbieten, ablehnen, anbieten, ablehnen. Herr Gandalf futtert derweil wie ein Scheunendrescher. Der geek hält Wulfhild das letzte Stück hin.

"Guck mal Wulfhild, letzte Chance, magst Du mal probieren?"

Kurze Stille. Das Kind guckt nach unten auf den Teller und ignoriert sehr offensichtlich Papa und den Bergpfirsich. Dann schleicht sich ein diabolisches Grinsen auf ihr Gesicht.

Wulfhild: "Ach Papa, was man angefasst hat, muss man auch essen."

Und klettert geschwind aufs Baumhaus.

28. August 2015

Regierung

Anscheinend muss man, wenn man Kinder hat, auch über Elternabende bloggen. Und damit man mir nicht vorwirft, als Mutter versagt zu haben, mach ich das jetzt auch mal. Mir ist nur noch nicht ganz klar, was ich schreiben soll, denn erstens war unsere Elternvollversammlung nach 42 Minuten um, wir Eltern um einiges schlauer, was das ein oder andere Projekt angeht, die Kekse schmeckten und es gab Kaffee. Mit Kaffee kriegt man mich immer. Am Kuchen arbeite ich noch.

Aber wir waren ja auch schlau: Die Wahl zum Elternbeirat fand vorher per Briefwahl statt. Das ersparte das zeitraubende zum Boden starren und unauffällige Schnürsenkel zubinden in der letzten Reihe. Die Wahl war extra einfach gestaltet worden, es stellten sich nämlich pro Gruppe zwei Eltern zur Wahl, so dass Vertreter und Vertretervertreter relativ simpel ausgewählt werden konnten. Nur Wulfhilds Sternengruppe tanzte aus der Reihe, weil man Frau Basmati und die Konkurrentin von Frau Basmati gleich toll fand. So mussten wir in der Vollversammlung per Faustkampf bestimmen, wer Vertreter und Vertretervertreter wird. Competitive me entschied die Stichwahl natürlich für sich.

Und weil es so schön war, sich im Erfolg zu sonnen, ließ ich mich auf der anschließenden Sitzung des Elternbeirats (es waren noch Kaffee und Kekse übrig, die mussten weg) direkt mal zur Präsidentin von der Welt wählen.

Und weil ich durch langjährige Erfahrung in der Jugendarbeit in Orts- und Landesverbänden weiß, wie man es macht, haben jetzt alle Aufgaben außer mir. Ich trage ja schon einen Titel, das muss reichen.

13. Juli 2015

Wulfhild ist eingewöhnt

Ich mache mir jetzt das hämische Grinsen den Schicksals zu Nutzen und erwähne hier schriftlich und für alle Zeit nachlesbar, dass Wulfhild ihr großes Geschäft nicht auf der Toilette erledigt. Oh, hätte ich vorwarnen müssen, dass es um sowas wie große Geschäfte geht, die nicht in der Toilette, sondern in der Unterhose landen? Entschuldigung, wird nicht wieder vorkommen.

Es ist nämlich einerseits so, dass alles, was ich hier bejammerte, sofort besser wurde. Andererseits ist es so, dass Wulfhild das kleine Geschäft sehr gut beherrscht und ich mir ziemlich sicher bin, dass der Rest auch klappen würde. Wäre da nicht die berühmte Frackigkeit. Oder was auch immer.

Schimpfen hilft nichts, ignorieren und einfach die Folgen beseitigen hilft nichts, im Kindergarten ist es auch so und was soll ich denn da nun machen. Beim heutigen Kindergarteneingewöhnungsendgespräch war das der einzige Punkt, den wir nicht einfach als läuft super abhaken konnten und über den wir ausführlich gesprochen haben. Denn überraschenderweise finden die Betreuerinnen das auch nicht so prickelnd, jeden Tag aufs neue feststellen zu müssen, dass der Geruch von DIESEM Kind kommt. Während wir uns nun also einerseits auf einen Mittagsschlaf ohne Windel geeinigt haben, bringen wir andererseits die Stinkerwindel ins Spiel, die sie sich auf Bestellung abholen kam und hoffentlich als Örtchen benutzt. Kollektive Spannung, wie das weitergeht.

Auf jeden Fall hab ich das jetzt hier gesagt und deswegen wird es nun besser. Ansonsten ist das Kind gut eingewöhnt und spielt mit allen und allem und gerne. Und isst große Portionen, die in keiner Relation zu ihrem Körpervolumen stehen.

12. Juli 2015

12 von 12 Juli 2015

Und dann ist es ja so, dass schon wieder ein Monat rum ist, in dem ich eher weniger gebloggt habe. Immerhin schaffe ich es, Fotos zu machen. Sagen wir mal 12. Am 12. des Monats.

Here we go:

Ich durfte ausschlafen. Das erste Mal wurde ich also wie jeden Morgen um halb sieben von Herrn Gandalf geweckt. Durch ausdauerndes Ignorieren hypnotisierte ich ihn zurück in den Schlaf und mich gleich mit. Das funktionierte einmal bis 7 und dann noch einmal bis 8 Uhr. Dann war leider auch Wulfhild wach, die anfing, ihn zu beschimpfen. Konnte ich gut nachvollziehen, ich war auch nur ungern geweckt worden. Dann stand der geek auf und kümmerte sich um die Kindelein, so dass ich das nächste Mal um 9 Uhr geweckt wurde, als unsere Rolläden automatisch hochfuhren. Und dann wieder um 10 Uhr, als Wulfhild mal gucken kam, ob ich schon wach sein. Ich bejahte ihre Frage und sie ging wieder. War ja alles geklärt. Anstatt zu lesen, stand ich dann auf. Kaffee kocht man mir ja nicht.


Im Bad stellte ich fest, dass meine Unfähigkeit, mich Angeboten zu entziehen, manchmal doch hübsch aussieht. Eigentlich wollte ich nämlich nur eine Creme für Herrn Gandalfs trockene Kniekehlen kaufen und Fraulein Umlaut hatte Lipikar Baume AP+ empfohlen.


Zum Frühstück gab es einen StuhlZaungast. Aber warum kommentiert nie einer unsere coole Tapete?


Während Wulfhild eine Wetteruhr bastelte, malte Herr Gandalf ein wenig. Seine Geduld reicht für sieben Striche in dreizehn Sekunden. Ab da wird geworfen. Mit allem, aber wenn Stifte in der Nähe sind, dann halt mit Stiften. Wulfhild hat das nie gemacht, deswegen weiß ich nicht, was ich tun soll. Porzellangeschirr wird vermieden, Wasserbecher und anderes vorsorglich festgehalten. Wirft er halt Brot oder Obststücke. Er guckt dabei auch sehr herausfordernd, weil er ja weiß, dass er das nicht darf. Jedes Kind ist anders. Seufz.


Aber irgendwann ist ja Zeit für Mittagsschlaf und wir sitzen wurffrei im Esszimmer. Zum Nachtisch gibt es Russisch Brot und ich fühle mich ungemein pädagogisch wertvoll. 


Dann gibt es Mittagessen für den geek und mich und ich teste diesen Melone-Fetakäse-Minze-Salat, von dem ich jetzt schon mehrfach im Internet gelesen habe wenn ich es ausgedruckt habe. Fazit: was nützt ein Kräutergarten, wenn es regnet und die Vögel nicht im Käfig sind? Dann würde man nass, könnte man die Wohnung verlassen. Also bleibt man, wo man ist, damit die Vögel bleiben, wo sie sind, und testet die Variante ohne Minze. Und als Minze nicht ganz so favorisierende Person kann ich sagen: schmeckt gut.


Nach zweieinhalb Stunden Mittagsschlaf wird Herr Gandalf wach und verhungert fast. Es muss schnell gehen und so atmet er einfach zwei Bananen ein. Puh, überlebt.


Eine weitere Stunde später wacht auch Wulfhild wieder auf und siehe da: es regnet immer noch. Machen wir halt Seifenblasen unter dem Vordach vor der Haustür. Terrassen und Gärten werden ja bekanntlich überbewertet.


Dann wird es Zeit, Mascarpone und Ricotta zu vermählen. Da ich immer gierig bin vergesse, dass man ja auch mal kleinere Packungsgrößen in Betracht ziehen könnte, haben wir nun bis morgen über Wochen hinaus ausreichend Nachtisch im Kühlschrank. Mit Mandarinen und Chocolate Chip Cookies.


Während Herr Gandalf in der Badewanne sitzt und das Abendessen vor sich hin brät, mache ich Pläne. Als Lemming liegt das Schnittmuster für das Kimono-Tee von Maria Denmark bereit. Morgen, morgen, nur nicht heute, hab ich Zeit dafür. Richtig, Leute? (Das Schnittmuster gibt es immer noch umsonst, wenn man den Newsletter abonniert. Go for it!)


Aber erstmal möchte das frischgeduschte Wulfhildchen geföhnt und auf die Couch gesetzt werden, denn Peppa Wutz guckt sich nicht von alleine. Wir haben zu tun.


Jetzt sind alle Kinder im Bett und ich sitze im Arbeitszimmer und habe während der Tagesschau überlegt, ob man den alten Fernseher auch IN das Expeditregal stellen kann. Das teste ich demnächst mal.


Jetzt werde ich erstmal bloggen und mir dann viele andere Fotos angucken. Caro sammelt nämlich wie immer die 12 von 12 von jedem, der mitmachen will. Auf die Plätze, fertig, los.

9. Juli 2015

15. Brief an Thorin

Lieber Thorin,

lass uns mal einen Kompromiss machen, ok? Du hörst für zwei Sekunden auf, Dinge aus Frack runterzuschmeißen und wie ein Hollywoodgirl zu kreischen, weil Du Deinen Willen nicht bekommst, und ich umwickel Dich mit meinem Mitleid, weil Du vier Backenzähne auf einmal bekommst, beim Urologen umfangreich befummelt wurdest, eine Impfung über Dich ergehen lassen musstest und Hitze doof findest.

So, geht doch.

Mein kleiner Muckelmann, Du bist so eine Granate, das ist unglaublich. Zwar bist Du um einiges zufriedener, seit Du laufen kannst, aber Du forderst mich trotzdem gefühlte 48 Stunden am Tag. Diesen Monat, als es plötzlich weit über 30°C warm war, musstest Du ganz schön leiden. Erst ging es halbwegs, aber einschlafen war viel schwieriger als sonst, bis wir in den Keller umgezogen sind zum Schlafen. Euer Matratzenlager im Spielzimmer sah so niedlich aus. Und es war auch ganz schön gemütlich, denn ich musste ja auch ganz schön oft da schlafen. Sonst war es Dir unheimlich. Du hast mich aber ganz schön oft reingelegt und so getan, als wärest Du nach viel hin- und herwälzen endlich doch eingeschlafen. Und wenn ich mich dann rausschleichen wollte: zack, Augen auf, Hand festhalten. Und wieder von vorne mit dem Einlullen. Nun gut, es war ja schön kühl da.

Hab ich jetzt so im Vorbeigehen geschrieben, dass Du laufen kannst? Yeah! Es war zwar weniger ein Laufen lernen als ein Entscheiden, dass Du das jetzt kannst, aber Hauptsache, Du läufst. Es ging von anfang an richtig gut, Du bist direkt beim ersten Mal von der Küche durchs Esszimmer ins Wohnzimmer und zurückgelaufen. Am 10. Jahrestag von Papa und mir, Du hast ein Händchen für Timing. Ich glaube, wir gehen demnächst mal die ersten Schuhe kaufen, denn die kannst Du definitiv nicht von Deiner Schwester erben. Sagen wir mal so: sie hat schmale Füße, Du nicht. So ganz und gar nicht.

Essen war bei der Hitze natürlich auch doof und bei all den Zähnen war Dein Kiefer sicher sehr empfindlich. So wurdest Du zum Breiverächter. Inzwischen weißt Du, dass man Hunger hat, wenn man nichts isst, und schaufelst wieder wie zuvor. Sehr gut. Am liebsten isst Du allerdings frische, saftige Sachen. Erdbeeren gehen immer, aber auch Melone oder so.

Kindergarten läuft super. Der zweite Monat ist rum und Du hast Dich super eingelebt. Aber das ist eigentlich kein Wunder, weil sich alle anderen Kinder fast darum reißen, sich um Dich zu kümmern. Das ist ein Hallo, wenn Du morgens ankommst. Die Erzieherinnen sind natürlich auch sehr von Dir angetan, weil Du ja lächeln kannst wie kein anderer. Und Du Deine Hollywoodreifen Schreiattacken und Wurfübungen anscheinend für zuhause reservierst. Leider wechselt Deine Lieblingserzieherin den Kindergarten und nach den Ferien sind alle anderen Kinder aus Deiner Gruppe in die größeren Gruppen gewechselt. Das wird komisch, mit lauter neuen Kindern. Aber da dann alle in Deinem Alter sein werden, wird es schon gehen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie Du Dich als alter Hase um die Neuen kümmern wirst.

Wir haben (am heißesten Tag des Jahres) Euer Spielhaus aufgebaut. Du gehst ab wie eine Rakete da drin. Tür auf, Kind rein, Tür zu, Fenster auf, Fenster zu, grinsen, kreischen, Tür, Fenster... Stundenlang. Es ist so unglaublich, wie Du strahlen kannst. Da geht die Sonne auf und alle müssen Dich anlachen und gern haben. Behalte Dir das auf jeden Fall!

Worüber wir aber auf jeden Fall reden müssen, das ist Dein Verhältnis zu Papa. Ich stimme ja zu, dass er Deine Nr. 1 sein darf, weil er die zweite Hälfte Deines Lebens Elternzeit hatte. Das verbindet und ihr zwei seid ganz dicke. Ok, ok. Aber wenn ich mit Dir schimpfe, schaust Du erstmal zu Papa, ob der das auch so sieht. Erst dann hörst Du, vielleicht, auf das was ich sage. Wenn etwas passiert, rennst Du an mir vorbei zu Papa und lässt Dich von ihm trösten. Wenn ich nach Hause komme, nimmst Du das zur Kenntnis, wenn Papa nach Hause kommt, freust Du Dich und rennst zu ihm hin. Wenn Du nachts wach wirst, darf ich Dich trösten und wieder hinlegen. Aber dann weinst Du nochmal von vorne los, bis Papa kommt. Zur Sicherheit. Könntest Du mich auch ein bisschen liebhaben?

Ich habe Dich nämlich sehr lieb.

In Liebe,
Mama