6. März 2015

Prioritäten

Seit Monaten freue ich mich darauf, dass das Castle Grayskull ein Nähzimmer haben wird. Mit Gäste-, Arbeits- und Kruschzimmeranteilen, aber ein Nähzimmer. No more nähen am Küchentisch mit unbedingtem Aufbauen und Aufräumen  an jedem Näabend. No more Rumkriechen auf dem Wohnzimmerboden für Zuschnitt und Schnittmusterabpausen. No more hin und her zwischen Küche und da wo das Bügelbrett steht, weil in der Küche kein Platz dafür ist. No more Stofflager über drei Zimmer verteilt.

Und was tue ich? Für den ersten Zuschnitt im Castle Grayskull rutsche ich auf schmerzenden Knien übers Wohnzimmerparkett. Im Fernsehen läuft Terminator 4, da muss man Prioritäten setzen.

3. März 2015

Alles auf Anfang

Falls sich jemand fragt, wie das Eingewöhnen im Castle Grayskull so läuft: läuft. Es gab sogar schon Momente, in denen ich mich heimisch gefühlt habe. So ein Vollzeitjob plus Pendeln lässt einem ja auch Zeit für nichts.

Immerhin hab ich aber schon drei Briefkästen ausfindig gemacht, an denen ich fast ohne auszusteigen Briefe einwerfen kann, falls der inneren Prinzessin auf der Erbse die 500 Meter zum büronahen Briefkasten zu weit waren.

Und im Bereich Wellness geht es auch bergauf. Zwar hab ich es noch nicht ganz raus, wie lange im Voraus ich das heiße Wasser aufdrehen muss, um dann tatsächlich heiß duschen zu können, aber ich weiß seit heute, dass folgende Taktik nicht die Endlösung ist: Wasser aufdrehen, vor den Kleiderschrank stellen, Outfit für den folgenden Tag raussuchen, duschen. Aus dem Großen Nichts das richtige Nichtsanzuziehen aussuchen dauert nämlich länger als man denkt. Aus Angst, dass das heiße Wasser fast aufgebraucht ist, genießt man dann nämlich deutlich weniger als sonst.

Aber ich hab ja noch paar Tage bis zum Umzug ins Altenheim. Ich werd das schon rausfinden.

2. März 2015

Nur fast nicht mehr

Heute hab ich mir gedacht, ich könnte mich mal selbst frustrieren, und habe kurzerhand meinen Domschlüssel abgegeben.

Es ist ja nämlich so, dass ich herzlich gerne durch die heiligen Hallen flaniere und dem geneigten Zuhörer in charmantem Ton Anekdötchen mit ansprechender Gestikuntermalung präsentiere, aber aufgrund der intensiven Verpflichtungen im Elfenbeinturm gar nicht so häufig dazu komme, dies auch zu tun. Von den Rutschpartien auf Kinderspielplätzen und dem Nahtauftrennen im Kellerverlies fang ich mal gar nicht erst an.

Und deswegen beschloss ich, als ich den Domschlüssel versehentlich beim Kistenauspacken fand, diesen an anderer Stelle aufbewahren zu lassen. Denn dann kann ich ihn auch nicht verlieren, was immer ein Vorteil ist. Aber jetzt stelle ich fest: funny feeling.

Domführer sein ist der schönste Job, den ich in meinen bisherigen 36 25 Lebensjahren hatte. Ich habe ihn ja immer noch, aber eben nur noch ganz selten. Und jetzt auch noch mit Leihschlüssel.

Ich bin jetzt sentimental, esse sehr viel Schokolade und schwelge in Erinnerungen.

23. Februar 2015

Schnell wie der Wind

Diese hinterhältigen Ikealer haben sich das nächste Möbelstück ausgeguckt, das um uns zu ärgern aus dem Programm genommen wird. Nach Expedit, den halbhohen Türen der Paxserie und Faktum trifft es nun unser Wohnzimmer: Bestå.

Was wir natürlich nicht wussten, als wir am Samstag einen billigen Kaffee trinken und Köttbullar essen wollten. Da bummelten wir nichtsahnend durch die Ausstellung und dachten, dass wir ja noch einen Schrank und die lustigen gelben Türen mitnehmen könnten, wo wir schon mal da sind.

Im Bestå-Bereich lungert überraschenderweise kein Angestellter herum. Aber man ist eingeweiht in die Verhaltensweisen beim Möbelschweden und schreibt die Gang- und Regalnummern ab. Nur gibt es plötzlich gar keine Gang- und Regalnummern. Stattdessen der Hinweis, man möge sich an die nicht herumlungernden Angestellten wenden. Im Nachbarbereich gelingt es uns, ohne vorgetäuschten Ohnmachtsanfall, einem unvorsichtigen Gelbpulli aufzulauern.

Wir schildern unser naives Begehr und werden von der verkaufspsychologisch geschulten Angestellten schonungslos mit der Wahrheit konfrontiert. Wimmernd winden wir uns am Boden. Sie tritt noch einmal nach und vergewissert sich, dass wir völlig schutzlos sind.

"Also fünf gelbe Türen gibt es noch. Wenn Sie sich beeilen..."

Wir spurten los.

Wer schlau ist, rennt ja erstmal zurück Richtung Ausgang und nimmt ab der Treppe zum Erdgeschoss jede Abkürzung, die sich bietet.

An der Treppe zum Erdgeschoss überlege ich kurz, ob es ratsam ist, sich mit Köttbullar zu stärken. Doch wir wollen drei der fünf Türen, da zählt jede Sekunde.

Wir hechten weiter Richtung Lager, schnappen uns einen Wagen und schliddern in Gang 24. Fach 16, Fach 16, Fach 16, wo ist denn bloß Fach 16. Da ist es. Fach 16.

Fünf Türen. Wir laden drei auf.

Und als wir unsere Beute ins Auto geladen haben und zurück Richtung Ausstellung schlendern, weil ja noch Kaffee, Köttbullar und Küchenplanung ausstehen, fühle ich mich seltsam gut. Tschakkah. Jetzt hab ich es denen aber gezeigt.

20. Februar 2015

Billiges Vergnügen

Neulich war ich ja erst ganz lange schwanger und hab dann ganz lange gestillt und habe ergo ganz lange keinen Alkohol getrunken und war dann ganz lange sehr froh, als das vorbei war.

Seitdem bin ich nach einer halben Flasche Kölsch so gut angeschickert, dass sicher jeder Film äußerst lustig wäre. Wo ich ja als Grundlage sowieso ein Faible für schlechte Filme mitbringe. Aber wenn man dann noch einen tatsächlich guten und lustigen Film guckt, dann weiß man, wofür man diesen Verzicht geübt hat: grenzenloses Heimkinovergnügen.